VitalGrill

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Vital Grill als Kaffeeröster

Vital Grill als Kaffeeröster

Seit geraumer Zeit wird ein sogenannter Vital Grill zum fettarmen Grillen von diversen Firmen angeboten. Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Möglichkeit zum Einsatz als Kaffeerösttrommel, welcher aber einige Umbauten nötig macht. Diese sind aber ohne großes handwerkliches Können einfach durchzuführen. Für gute Röstergebnisse ist weder der Einbau eines schnelleren Motors noch der einer Temperatursteuerung nötig. (hier vielleicht noch etwas Ausführlicheres von den Beteiligten, was beim Kauf eines Gerätes zu beachten ist und was man von dem Umbau erwarten kann)


Worauf muss man beim Kauf achten?

  • Es gibt Geräte mit einer grobmaschigen Trommel, welche weniger geeignet sind, da die Kaffeebohnen herusfallen würden.
  • Der Grill sollte nicht allzu verdreckt sein, da eine gründliche Reinigung des Innenraums eventuell mühsam sein könnte.
  • Die Spießhalter sollten dabei sein da sich diese gut zum Abdichten der Seiten der Trommel eignen (siehe Foto)
  • Das "Backblech" sollte nicht fehlen, da sich darauf die Häutchen sammeln, was eine Reinigung nach dem Rösten vereinfacht.

Weiteres unnötiges Zubehör:

  • "Gabel" zum Hantieren der Trommel (Das ist mit normalen Küchenhandschuhen komfortabler, da man die ohnehin zum Öffnen der Trommel braucht.)
  • Spieße
  • "Rost" (Grillklammer) in welchen man Fleischstücke einspannen kann.

Preisrahmen: ab ~35€ gebraucht, neu ~100€

Modifikationen

Am Gerät

  • Sicherheitsthermostaten überbrücken (Brandgefahr!)
  • Öffnungen abdichten für höhere Temperaturen

An der Trommel

  • Trommel abdichten damit keine Bohnen rausfallen (eventuell Spießhalter benutzen!)
  • zusätzliche Mischer in die Trommel einbauen (einfachste Variante: Blumendraht gegenüber dem vorhandenen einflechten)

Modifikationen für ambitionierte Bastler

  • Motor mit höherer Drehzahl einbauen
  • Lüfter einbauen gegen Luftstau (Details)
  • Temperaturregelung einbauen

Der Röstprozess mit dem VitalGrill

Da es weder eine Temperatursteuerung noch eine aktive Belüftung gibt ist der Röstprozess eher banal. Der Grill sollte zumindest 10 Minuten vorgeheizt werden. Die grobe Dauer kann über die Bohnenmenge verändert werden. Ganz allgemein sollte man sich einfach am Knacken der Bohnen orientieren. Als ungefähre Richtlinie für den Start:

  • 1. Knacken nach 10 bis maximal 15 Minuten
  • 2. Knacken nach ca. 14 bis 18 Minuten

Um die Beurteilung des Röstgrades zu üben, empfiehlt es sich zuerst ein paar mal billige Supermarktbohnen zu rösten. Bei mir hat es sich bewährt, die Bohnen so aus dem Röster zu nehmen, dass das 2. Knacken schon ausserhalb des Rösters stattfindet und kurz danach mit dem Kühlen begonnen wird. Dazu schütte ich die Bohnen einfach immer wieder von einem Gefäß in ein anderes. Dabei werden dann auch gleich die Häutchen entfernt (etwas Wind vorausgesetzt).

Wenn der VitalGrill eingeschaltet wird, dann dreht sich der Motor zufällig in eine Richtung, entweder zu den Heizstäben hin oder von ihnen weg. Durch Ein- und Ausstecken kann die Richtung geändert werden. Meiner Erfahrung nach führt ein auf die Heizstäbe Hinzudrehen zu einer schnelleren, ungleichmäßigeren Röstung und ein Wegdrehen zu einer gleichmäßigeren, längeren Röstung.

Reinigung

tsurf (http://www.kaffee-netz.de/vom-rohkaffee-zum-selbstr-ster/17156-r-ster-f-r-arme-bohnenr-sten-im-frisierten-h-hnchengrill-16.html#post290753)
Reinigung

Gestern habe ich übrigends eine gute Methode gefunden, um die Scheibe des Vitalgrills zu reinigen. Beim Aldi(Süd) gab es als Aktion gerade diese Schmutz-Radier-Schwämme. Mit denen gehen die Rauch/Fettreste gut ab. Man muß zwar etwas rubbeln und der Schwamm hält auch nicht allzu lange, aber die Methode kann ich empfehlen.

Noch ein Tip: Die untere Querleiste des verchromten Metallrahmens, der die Scheibe führt, ist rechts und links durch eine Schraube fixiert. Demontiert man die Leiste, kann man die Scheibe zum Reinigen einfach nach unten herausziehen und im Spülbecken einweichen / schrubben.

Etwa im Halbjahresturnus sollte man den Röster öffnen (Gehäuse abnehmen) und die im Inneren gesammelten Häutchen aussaugen, da sich diese hauptsächlich direkt hinter den Heizstäben sammeln und damit auf Dauer die Brandgefahr erhöhen.

Empfohlene Mischungen

1. Espresso:

  • 55% Brasil Yellow Bourbon
  • 25% Dominikanische Republik Barahona
  • 12% Monsooned Malabar
  • 8% Indian Parchment Robusta

An dieser Mischung habe ich ziemlich lange gefeilt – es ist sozusagen meine Meisterröstung. Ich lasse nach dem Mischen (grün) mindestens eine Woche verstreichen und röste an den Beginn des 2. Crack, so dass ein minimaler Ölaustritt zu beobachten ist. Röstdauer ist fast genau 17 Minuten, Temperaturprofil grilltypisch banal: Einfüllen etwa 22 Grad unter Zieltemperatur (dabei nochmal Einbruch um ca. 12 Grad), dann etwa 6-8 Minuten Anstieg auf Zieltemperatur, dann konstant bis zum Ende. Der Geschmack ist kräftig, sehr nuancenreich, vielfältig würzig und gleichzeitig kakaosüß. Ein Espresso aus dieser Mischung bietet mit jedem Schlückchen neue Aspekte und liegt sehr lange auf der Zunge. Die Bohnen (und auch der Espresso) duften umwerfend wie eine Süßigkeit aus der Konditorei, das frischgemahlene Espressomehl riecht dagegen weniger himmlisch -- leicht nach Suppenwürze und Waldpilzen (typisch MM). Der Espresso sollte nicht zu sehr Richtung Ristretto gehen, besser sind normale 20-30ml. Als Cappu in Ordnung.

2. Schümli-Kaffee bzw. Kaffee für French-Press:

  • 45% Sidamo
  • 45% Yirgacheffe
  • 10% Robusta

Preblending, Röstdauer und Profil wie oben, die Bohnen jedoch minimal früher aus dem Röster nehmen (den 2. Crack „erahnen“ und 10 Sekunden vorher raus), so dass die Schlitzhäutchen anfangs mehrheitlich noch walnußbraun sind und keine Öltröpfchen austreten. Auf der Zunge ein sehr vollmundiger Ur-Kaffee: Genau das, was Tchibuscho nur geruchlich verspricht, steckt in diesem Kaffee geschmacklich drin. Geruch nach Mandeln und Waldboden. Als Espresso oder Cappu machbar bzw. eine interessante Erfahrung, aber nix für auf Dauer.

3. Der Haselnuß-Blend

  • 40% Rwanda fully washed
  • 25% Dominikanische Republik Barahona
  • 25% Papua Neu Guinea
  • 10% Robusta

Sowohl in der French-Press als auch im Cappu ein sanfter Schmeichler, sehr sinnlicher Duft, das Nussaroma geht saugut mit Milchschaum. Sehr mild und säurearm, Preblending und Röstung wie 2. Kein guter Espresso – dafür fehlen irgendwie die „Basstöne“.


Was kann man zur Not anders machen/weglassen?

1. Espresso Den Brasil Yellow Bourbon könnte man evtl. durch einen sehr guten Santos ersetzen – oder einen anderen Kaffee, der außer einer zarten Kakao-Note eher nichts mitbringt. Der nussig-süße Barahona ist für mich mit dem derzeit im Kaffeemuseum erhältlichen Kolumbien Piramide vergleichbar.

2. Der Afrika-Schümli geht wahrscheinlich auch ohne Robusta.

3. Barahona wie oben, Rwanda unersetzlich (hat ein tolles Mandel-Aroma). Was der PNG in dieser Mischung genau anstellt, ist mir ehrlich gesagt nicht ganz klar. Als Single geröstet duftet er nicht, sondern mieft eher nach dem ollen Bratfett einer Pommesbude. Das ist kein Witz – wahrscheinlich röste ich ihn falsch. Dennoch verleiht er, in Maßen zugemischt, manchem Blend eine erstaunliche Raffinesse – er „mörtelt“ auch die Lücken zwischen den einzelnen Sorten gut zu.

Blend 1 und 2 sind einfach reproduzierbar, schon von befreundeten Boardies getestet und für sehr gut befunden worden. Blend 3 ist ein neuerer Zufallstreffer und könnte im Sinne zuverlässigerer Ergebnisse noch etwas Tuning erfahren – ich editiere dann nachträglich.

Dank an Georg und das Forum (http://www.kaffee-netz.de/vom-rohkaffee-zum-selbstr-ster/19621-der-mischungsthread-3.html#post267639)

Thread im kaffeenetz Forum

http://www.kaffee-netz.de/vom-rohkaffee-zum-selbstr-ster/17156-r-ster-f-r-arme-bohnenr-sten-im-frisierten-h-hnchengrill.html

Film bei Youtube

http://www.youtube.com/watch?v=SSAWDGGaR38

Der dort gezeigte Grill hat einen digitalen Zweipunktregler zur Temperatursteuerung und einen regelbaren 12V-Getriebemotor samt Eisenbahntrafo.

Bilder zur Modifikationen