Korrosion

Aus KaffeeWiki - die Wissensdatenbank rund um Espresso, Espressomaschinen und Kaffee
Wechseln zu: Navigation, Suche

Da hier ein entsprechender Artikel fehlte und viele Leute ihren korrodierten Alukessel fälschlicherweise für verkalkt halten und dann mit Kalkreiniger endgültig zerstören, lege ich diesen Artikel, allen weniger betuchten Kaffeetrinkern die eine Maschine mit Aluminiumtank ihr Eigen nennen, ans Herz.

Wie stelle ich fest ob mein Tank korrodiert ist oder nur verkalkt?

Kalk und Korrosion unterscheiden sich farblich und von der Konsistenz.

Wie sieht Kalk in der Regel aus?

Weiß bis gräulich. Mit Verunreinigungen sogar leicht ins gelb-bräunliche.

Wie sieht Korrosion bei Aluminium aus?

Aluminium korrodiert in der Regel grün bis grau, teilweise türkis. Die Stelle wird bröselig, sieht aus wie zerfressen und es fehlt bewiesenermaßen Material.

Was hat es damit auf sich, wieso ist Aluminium so anfällig?

Aluminium oxidiert in der Regel schon direkt am Sauerstoff. Dadurch bildet sich eine Oxidschicht an der Oberfläche, welche das Alu matt wirken lässt und mit einer harten Schutzschicht überzieht. Dieses Verfahren (Eloxierung) wird auch benutzt die Oberfläche mechanisch stabiler zu machen oder einfach vor weiterer ungewollter Oxidation zu schützen. Auch die Kessel und Brühgruppenteile sollten daher eloxiert sein.

Korrosion wird dann ausgelöst, wenn diese schützende Oxidschicht löslich ist, d.h. in Kontakt mit einer Säure steht o.Ä. Das was in manchen Maschinen aber passiert, ist die sogenannte Kontaktkorrosion.

Kontaktkorrosion ist eine Art örtlicher Korrosion die geschieht, wann immer zwei Metalle oder Legierungen mit einem Potentialunterschied von mindestens 50 mV im direkten Kontakt miteinander in einem korrosiven Elektrolyt gebracht werden.

Das weniger edle der zwei Metalle oder Legierungen wird die Anode der Korrosionsreaktion.

Wie groß der Potentialunterschied ist, hängt unter Anderem daran in welchem Medium sich die beiden Metalle befinden. In Luft zum Beispiel tritt Korrosion viel seltener auf, als etwa in Meerwasser. Eine Erwärmung des Materials und Wassers beschleunigt den Vorgang ebenfalls. Angefügt eine Tabelle der Potentialunterschiede im Meerwasser:

Material Potentialunterschied in mV
Silber +149
Nickel +46
Kupfer +10
Blei -259
Stahl -335
Kadmium -519
Aluminium -667
Zink -806
Zinn -809

Ist das also ein Konstruktionsfehler des Herstellers?

Ja, teilweise verwenden Hersteller Messing- oder Edelstahlteile im selben Kreislauf mit Aluminiumteilen. Das löst natürlich Korrosion aus. Je nach Wandstärke kann der Hersteller hier die Haltbarkeit des Kessels steuern. Aluminiumkessel von solchen Maschinen sind also tickende Zeitbomben, man könnte meinen die Hersteller versuchen absichtlich die Haltbarkeit bei ihren billigen Geräten zu limitieren um den Markt aufrecht zu erhalten.

Verwendet der Hersteller dagegen einen reinen Aluminiumkreislauf (wie es beim Automobil etwa der Fall ist) und hat die Teile ordnungsgemäß eloxiert (matte Metallteile), ist nichts mehr gegen Aluminium als Werkstoff in einer Espressomaschine einzuwenden.

Korrosion kommt hier dann nur durch ein Leck, Säure oder starke Kratzer an der Eloxalschicht zustande.

Auch wichtig ist die Stärke der Eloxalschicht. Eine dünne Schicht kann von den Ionen durchschlagen werden, während eine dickere sogar Kratzern beim Einschrauben von Gewindetüllen widersteht.

Darf ich den Dreck nun trotzdem mit Kalkentferner behandeln?

Auf keinen Fall, das ruiniert die Maschine! Korrodierte Stellen mit Säure oder Lauge zu behandeln löst die dünne Oxidschicht und beschleunigt den Korrosionsvorgang ungemein! Selbst wenn die korrodierte Stelle ekelhaft un giftig aussieht, ist sie es nicht. Aluminiumoxid ist im Prinzip Keramik, auch bekannt als Tonerde, ein chemisch sehr stabiler, massenhaft in der Natur vorkommender Stoff, den der Körper einfach wieder ausscheidet.

Am besten ist es, wenn man die Maschine lediglich mit klarem Wasser durchspült oder eventuell speziellen Aluminiumreiniger benutzt. Auf keinen Fall mit fiesen säurehaltigen Reinigungsmitteln beigehen, auch wenn die Krümel so gar nicht mehr nach Aluminium aussehen, es ist kein Kalk!

--85.177.163.6 18:37, 23. Sep 2008 (CEST)

[[1]]Vier Jahre alter Boiler einer Gaggia Classic mit eindeutigen Korrosionsschäden (kein/wenig Kalk!)** Bild unter Vorbehalt eingefügt. Die Copyrighterlaubnis des Benutzers Bikerkoenig muss noch eingeholt werden, sowie das Bild auf den Kaffewikiserver hochgeladen werden. http://www.kaffee-netz.de/espresso-und-kaffeemaschinen/14359-kaufberatung-gaggia-classic-oder-rancilio-silvia.html