Rohkaffee Mittelamerika

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Mittelamerika und Karibik

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In den meisten Ländern Zentralamerikas und auf den karibischen Inseln spielt der Anbau von Kaffee eine tragende Rolle in Wirtschaft und Handel. Zusammen mit Hawaii, dem einzigen Kaffeeproduzierenden Staat der USA, liefert diese Region etwa 20 Prozent des weltweiten vermarkteten Rohkaffees. In den Plantagen wachsen fast ausschliesslich Arabicas, der Anbau von Robustas ist in Costa Rica sogar verboten.

Costa Rica

Als Kolumbus an der "reichen Küste" vor Anker ging, gab es hier noch keinen Kaffee. Erst vor rund 250 Jahren wurden die ersten Pflanzen von Kuba eingeführt. Inzwischen ist Costa Rica ein Kaffeeland der Superlative: Es produzierte als erster zentralamerikanischer Staat Kaffee auf kommerzieller Basis, setzte auf wissenschaftliche und agrartechnische Innovationen und führte die Anbau und Verarbeitungsabläufe auf ein weltweit vorbildliches Leistungsniveau. Mit durchschnittlich 1600 Kilogramm werden hier die höchsten Erträge pro Hektar überhaupt erzielt. Die etwa 300 Arabica Spitzensorten begeistern selbst die anspruchvollsten Kaffeekenner. Die besten Anbaugebiete sind Naranjo, Tarrazu und Tres Rios. Viele halten diesen Kaffee für den besten der Welt. Diese Kaffees zeichnen sich besonders durch ihren vollen würzigen Körper und hohen Anteil an Säure aus, jedoch nicht dominant. Jede Tasse ist ein besonderer Genuss. Strenge Wasserverordnungen und Umweltschutzauflagen tragen ebenso zur hervorragenden Qualität der Bohnen bei wie die günstigen klimatischen Bedingungen, 2005 lag der Ertrag an Kaffeebohnen bei 2.19 Millionen Sack.

Dominikanische Republik

Schon im Jahr 1735 kam der erste Kaffee auf die Insel, ursprünglich aus dem königlichen Pflanzenbestand von Louis XIV, mit einem Umweg über Martinique. So kann der Inselstaat auf eine lange Anbautradition zurückblicken. Die wechselvolle Geschichte des Landes verhinderte jedoch die volle Ausschöpfung des vorhandenen guten Kaffeepotentials. Die Arabica Sorten Juncalito und Ocoa liefern bei ordentlicher Qualität ein solides Preis Leistungs- Verhältnis. Sie werden in den USA gerne getrunken. Die besten Bohnen kommen von Baní and Cibao Altura.

El Salvador

Gute Arabicas aus El Salvador vereinen den typischen Kaffeegeschmack Zentralamerikas in sich, wenn sie im Geschmack auch nicht ganz an die Bohnen von Guatemala und Costa Rica heranreichen. Das liegt vor allem daran das die meisten Anbaugebiete an Berghängen zum Meer hin liegen. Sie sind mild - aromatisch, haben einen leichten Körper und eine leichte Säure. Die Ernte liegt bei 1.4 Millionen Sack im Jahresdurchschnitt. Der beste Kaffee aus El Salvador wird mit "Strictly High Grown" bezeichnet. Bekannte Namen sind Los Ausoles und Larin oder Kaffee Pepil.

Guatemala

Der durch Qualitätsmängel ramponierte Ruf des einst hochgeschätzten guatemaltekischen Kaffees gewinnt nicht zuletzt durch das dollarstarke Förderungsprogramm der USA neuen Glanz. Arabicas werden auf die Wurzeln der widerstandfähigeren Robustas gepfropft und dadurch resistenter gegen Parasitenbefall, dem schon einmal die Plantagen zum Opfer fielen. Die nur zwei bis drei Meter hohen Büsche wachsen auf den 1600 Meter hohen Anbaufeldern an den Hängen des Vulkans Atitlan und gleichen dichten Bergwäldern. Hier gedeiht auch der gegehrte Antigua. Sein hoher Säureanteil und würziger Geschmack garantiert mit jeder Tasse herzhaften Kaffeegenuss. Der heutige Ertrag liegt bei über 4 Millionen Sack. Es gibt viele Guatemala "Estates" z.B. einige aus dem klangvollem Antigua: San Sebastián, La Tacita, San Rafael Urias, Pastores, und Las Nubes. Aus der Region Huehuetenango: Santa Cecilia, Huixoc, und El Coyegual. In der Coban Region: Yaxbatz, Los Alpes, and El Recreo. In San Marcos, Dos Marias. Der beste Kaffeegrad in Guatemala ist "Strictly Hard Bean" (SHB), welcher hauptsächlich aus den Regionen um Antigua, Atitlan und Cobán stammt.

Hawaii

Amerikanische Luxushotels und Spitzenrestaurants reissen sich um den Top Kaffee der Insel, dem Kona. Der berühmte Kaffee wird im Kona Distrikt auf der Hauptinsel angebaut. Er gedeiht unter optimalen Boden und Witterungsbedingungen in einer Höhe von 250 bis 750 Metern an den Westhängen der Vulkane Mauna Loa, Hualalai und Mauna Kea. Hier werden höchste Erträge pro Quadratmeter erzielt. Insgesamt produzieren die Hawaii Inseln zwischen 16000 und 24000 Sack im Jahr. Durch die starke Nachfrage und die hohen Preise gab es eine Zeit in der Kaffee aus Costa Rica und Panama importiert wurden und in Kona-Verpackungen verkauft wurden.

Honduras

Durch den Hurrikan Mitch im Jahr 1998 wurde der Kaffeeanbau in Honduras sehr geschädigt. Honduras leidet auch darunter das die meisten Farmen sehr klein sind und die Weiterverarbeitung in kleinen Anlagen durchgeführt wird. Die kleinen Mengen werden dann zum Export gemischt und schwanken stark in der Qualität. Kaffee aus der "Marcela" Region nahe an El Salvador gelegen hat den besten Namen in Honduras.

Jamaika

Als der Arabica im 18. Jahrhundert von der Insel Martinique eingeführt wurde, bahnte sich eine ungeahnte Karriere an. Denn der makellose Blue Mountain von der gleichnamigen Gebirgskette erzielt heute weltweit im Durchschnitt den zweithöchsten Preis. Der grösste Teil der Ernte (ca. 4000 Sack) geht nach Japan, wo leidenschaftliche Kaffeetrinker bereitwillig sind zehn US-Dollar für nur eine Tasse zu bezahlen. In den letzten Jahren wurde stetig die Quantität zu Lasten der Qualität erweitert. Es gibt einige "Estates" auf Jamaica die unter dem Namen "Blue Mountain" verkaufen, Alex Twyman's Old Tavern Estate und the RSW Estates.

Kuba

Der Kaffee kam ungefähr im Jahre 1748 nach Kuba, über den Umweg der Dominkanischen Republik, schon im Jahre 1827 gab es über 2000 Kaffeeplantagen auf Kuba, doch später wurde der Kaffee vom Zuckerrohr und Tabak verdrängt. Ungewiss ist auch, ob Kubas Kaffee Qualitäten dauerhaft Chancen auf Erfolg haben: Der Turquino verfügt über einen vollen Körper mit üppigem, rauchigem Aroma. Allerdings stehen politische Handelshindernisse vor allem mit den USA einem Ausbau der Produktion im Wege.

Mexico

Der drittgrösste amerikanische Kaffeeproduzent leistete Pionierarbeit bei der Schädlingsbekämpfung: Der Einsatz von Bienen gegen Käfer drosselte die Belastung durch Fungizide und machte international Schule. Die Anbaugebiete der zahllosen Kleinbauern liegen im wärmeren Süden des Landes. Mexikanische Arabicas sind leicht herb und haben ein feines, ausgewogenes Aroma. Sie sind das Herz vieler Mischungen. Die besten Sorten, Tapachula und Huixtla, kommen aus der Region Chiapas. Erntebillanz: 4.7 Millionen Sack.

Nicaragua

Wie Honduras und El Salvador erholt sich Nicaragua langsam von den Einflüssen des Krieges während der 80er Jahre, in dieser Zeit war es dem Land nicht erlaubt in die USA zu exportieren. Nicaragua hautsächlich ein Anbieter von Arabicas mit durchschnittlichem, solidem Geschmack. Die besseren Sorten mit guter Säure und feinem Duft wachsen in Matagalpa, Jinotega und Nuevo Segovia. Nach der Revolution von 1979, die viele Plantagenbesitzer nach Miami vergraulte, sackte die Produktion dramatisch ab. Günstigere politische und wirtschaftliche Bedingungen lassen den Kaffeehandel neu erstarken.

Panama

Der kleine Produzent Panama hat möglicherweise noch eine grosse Zukunft vor sich: Der wunderbare leichte Volcan Baru hat Premium Qualität, macht aber erst ein Prozent der im Land erzeugten Kaffeemenge aus. Der wohl beste Kaffee aus Panama kommt aus der "Boquete" Region, südlich angrenzend an Costa Rica gelegen. Gut bekannte "Estates" Kaffees gibt es bei Lerida, Berlina, und La Torcaza.

Puerto Rico

Vor hundert Jahren noch war Puerto Rico der sechstgrösste Kaffee Exporteur der Welt. Ein Wandel in der Agrarkultur jedoch verdrängte den Kaffee, Hurrikans beschleunigten den Niedergang. Inzwischen erlebt der Kaffeeanbau dank amerikanischer Marketing Experten wieder einen neuen Aufschwung. Die besten Sorten Yauco Selceto und Grand Lares bestechen durch ein intensives Aroma ohne Bitterkeit.